Magisches Funkeln, festlicher Glanz:
Woher kommt bloß all der Glitzer, und warum ist er so anziehend?

Ein bisschen Glamour und Bling-Bling passt zu jedem Fest. Und zu Weihnachten und Silvester können viele gar nicht genug davon kriegen: Alles soll glitzern, schimmern und strahlen – Kleid, Make-up und Schuhe, die Wohnung, der Baum und die Geschenke sowieso. Aber warum ist Glitzer so unwiderstehlich? Woraus besteht das ganze Gefunkel, und wo kommt es eigentlich her?

Eine kurze Geschichte des Glitzers

Das Wort „Glitzer“ gibt es seit dem 14. Jahrhundert. Es kommt von „Glitra“, einem altnordischen Wort mit derselben Bedeutung. Doch die Freude an Glanz und Schimmer ist viel älter – sie scheint dem Menschen angeboren zu sein. Manche Wissenschaftler führen das darauf zurück, dass wir aus dem Meer stammen: Glitzernde Dinge erinnern uns an unsere „Urheimat“, das Wasser, mit dem das wechselnde Licht auf so unvergleichliche Weise spielt.

Um diesen Zauber auch an Land zu nutzen, verwendete bereits Kleopatra Glitzer-Make-up – eine Paste, der zermahlene Käfer beigefügt waren. Die Steinzeitmenschen dekorierten ihre Höhlenmalereien mit Muskovit, einem glänzenden Gestein, das bis heute für Schimmereffekte in Cremes, Lidschatten und Co. verwendet wird. Auch die Mayas verwendeten Muskovit, um ihre Tempel an Festtagen zu dekorieren. Auch Perlen und Edelsteine konnten vermahlen und mit anderen Materialien zu Glanzpasten und Effektfarben verarbeitet werden.

Nachdem der Mensch gelernt hatte, in großem Stil Metall abzubauen, lag es nahe, sich mit dem glänzenden Material auch zu schmücken – unter anderem durch das Anheften von Metallstückchen, den ersten Pailletten, auf repräsentativer Kleidung. Reiche Leute hatten dafür Gold und Silber, ärmere nahmen Zinn. Metallicfäden in Wolle bzw. Textilien sind seit dem 18. Jahrhundert bekannt.

Im Jahr 1934 erfand der US-amerikanische Unternehmer Henry Ruschmann eine Methode zum Herstellen von preiswertem Glitter aus gereinigten, zerschredderten Plastikabfällen. Seine Firma Meadowbrook Inventions stellt bis heute Plastikglitzer für allerlei Gelegenheiten her. Der wird allerdings – ebenso wie Glitzer aus Glas – nicht auf der Haut, sondern höchstens auf der Kleidung getragen. Dagegen gelten aufs Gesicht oder Dekolleté geklebte Strass- und Glitzersteinchen als einer der Make-up-Trends für 2018.

Bei der Herstellung von Glitzer werden heute viele unterschiedliche Methoden und Materialien genutzt. Gängig ist neben dem Beimischen des bereits erwähnten Schimmergesteins das Beschichten von Kunststofffolien mit reflektierenden und/oder farbigen Schichten aus Aluminium, Titan und anderen Metallen. Dabei bestimmt manchmal lediglich die Dicke der obersten Schicht, ob das Ganze nachher grün, blau oder rot funkelt oder die Farbe sich mit dem Lichteinfall ändert. Und weil fast jeder Make-up- oder Modehersteller dabei seine individuellen (oft geheimen) Mischungen und Methoden nutzt, konnten sogar schon etliche Verbrechen anhand von Glitzerspuren – z. B. am Tatort, auf der Haut des Täters oder der Kleidung des Opfers – aufgeklärt werden.

Die dunkle Seite des Gefunkels

Menschen, die Glitzer nicht mögen, argumentieren meist damit, dass das Geflimmer a) überflüssig, b) kitschig, c) umweltschädlich und d) kaum wieder loszuwerden ist. Die beiden ersten Argumente sind Geschmackssache, die anderen nicht. Doch während man haut- und umweltschädlichen oder von Kindern hergestellten Glitzer durch mehr Information und bewussteren Konsum vermeiden kann, helfen gegen hartnäckige Glitzerreste in Ritzen, Falten und Ecken nur Staubsauger, Wischlappen, Waschmaschine oder Druckluft.

Weil Glitter von allem so schwer wieder abgeht, kann die „Einhornkotze“ durchaus auch als Waffe verwendet werden. So war im Jahr 2015 die Website „ShipYourEnemiesGlitter.com“ sehr beliebt: Darüber konnte man Feinden (oder Ex-Freunden) eine Glitzerbombe schicken lassen und sie damit richtig ärgern. Allerdings wurde der virale Wahnsinn sogar dem Seitenbetreiber Matthew Carpenter schon nach wenigen Tagen unheimlich: Völlig entnervt bat er seine Kunden, das „schreckliche Glitzerprodukt“, mit dessen Versand er gar nicht mehr hinterherkam, nicht mehr zu bestellen. Kurz darauf verkaufte er die Website – immerhin für 85.000 Dollar, was ihn vermutlich zumindest teilweise für den Stress entschädigt hat.